Eine Mandantin bringt drei Papiere mit: einen ukrainischen Auslandspass, eine sowjetische Geburtsurkunde und ein Diplom aus Charkiw. In allen drei Dokumenten steht derselbe Name, und in der deutschen Fassung steht er dreimal verschieden. Olena, Elena, Jelena. Für die Sachbearbeiterin im Standesamt sind das im Zweifel drei Personen. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob eine Übersetzung Ukrainisch Deutsch ihren Zweck erfüllt oder ob der Vorgang für Wochen liegen bleibt.
Das Problem ist kein Qualitätsmangel der Übersetzer. Es entsteht, weil mindestens drei verschiedene Systeme aufeinandertreffen, die alle für sich genommen korrekt sind. Wer das einmal verstanden hat, kann die Reihenfolge seiner Unterlagen so vorbereiten, dass die Behörde gar nicht erst nachfragen muss.
Warum überhaupt mehrere Schreibweisen entstehen
Kyrillische Namen lassen sich auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten in lateinische Buchstaben bringen. Die Transkription bildet nach, wie ein Name klingt, und zwar immer bezogen auf eine Zielsprache. Deshalb wird aus Сергей im Deutschen Sergej und im Englischen Sergey. Die Transliteration dagegen bildet Zeichen für Zeichen ab, ohne Rücksicht auf die Aussprache, und lässt sich rückwärts wieder in das kyrillische Original zurückrechnen.
Die Ukraine verwendet seit 2010 für Reisepässe ein eigenes, am Englischen orientiertes Umschriftsystem. Daraus werden Serhii, Oleksandr oder Yuliia. Deutsche Behörden wiederum stützen sich bei Urkunden auf die Transliterationsnorm ISO 9, die mit diakritischen Zeichen arbeitet und deshalb Formen wie Sergìj hervorbringt. Beide Schreibweisen sind richtig. Sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.
Was deutsche Standesämter tatsächlich verlangen
Die Personenstandsverordnung gibt vor, dass Namen aus nichtlateinischen Schriften für Personenstandseinträge transliteriert werden, und in der Praxis heißt das die ISO-Norm. Ein beeidigter Übersetzer, der Ihre Geburtsurkunde nach ISO 9 überträgt, macht also nichts falsch, wenn das Ergebnis nicht aussieht wie Ihr Pass.
Gute Übersetzungen lösen das mit einer Anmerkung. Unter dem Text steht dann sinngemäß, dass der Name nach ISO 9 transliteriert wurde und im Reisepass in der Schreibweise X erscheint. Diese eine Zeile erspart erfahrungsgemäß den größten Teil der Rückfragen, weil die Behörde beide Varianten schwarz auf weiß nebeneinander sieht und sie derselben Person zuordnen kann.
Ukrainisch und Russisch sind nicht dieselbe Schrift
Ein Punkt, der in der Beratung regelmäßig überrascht: Die beiden Alphabete überschneiden sich zwar weitgehend, sind aber nicht identisch. Das Ukrainische kennt і, ї, є und ґ, das Russische dafür ы, э, ё und ъ. Deshalb ergibt derselbe Vorname je nach Ausgangsdokument ein anderes Ergebnis.
Besonders häufig trifft das Menschen, deren Geburtsurkunde noch aus sowjetischer Zeit stammt und auf Russisch ausgestellt wurde, während Pass und Diplom aus der unabhängigen Ukraine auf Ukrainisch lauten. Aus Сергей wird dann Sergej, aus Сергій wird Serhij. Wer eine ukrainische Sprachfassung und eine russische nebeneinanderlegt, sollte das also nicht als Fehler melden, sondern als das behandeln, was es ist: zwei Quellen, zwei Systeme, eine Person.
Wo es besonders oft klemmt
Vier Verfahren fallen auf. Bei der Eheschließung prüft das Standesamt jede Urkunde einzeln und akzeptiert Abweichungen ungern. Bei der Einbürgerung wird die gesamte Dokumentenkette über Jahrzehnte hinweg gelesen, sodass jede Schreibweise irgendwann auftaucht. Bei der Anerkennung von Abschlüssen vergleichen Stellen den Namen auf dem Diplom mit dem im Ausweis. Und im Erbrecht entscheidet die Namensgleichheit darüber, ob Sie als berechtigt gelten.
Dass ein Name in ukrainischen Urkunden in jeder Fassung anders geschrieben steht, liegt an unterschiedlichen Transliterationssystemen und nicht an Nachlässigkeit. In Vertragsunterlagen wirkt sich das unmittelbar aus, weshalb eine juristische Übersetzung die gewählte Schreibweise konsequent durchhalten muss. Eine einmal festgelegte Variante gehört in die Terminologieliste des Mandats.
In allen vier Fällen gilt dieselbe Faustregel: Legen Sie vor der Beauftragung fest, welche Schreibweise die führende sein soll, normalerweise die aus dem aktuellen Reisepass, und sorgen Sie dafür, dass jede beglaubigte Übersetzung diese Variante mit aufführt. Eine gute Zusammenfassung dessen, was beim amtlichen Übersetzen einer Geburtsurkunde zu beachten ist, hilft beim Vorbereiten der Unterlagen.
Woran Sie eine belastbare Übersetzung erkennen
Vier Merkmale genügen für eine erste Prüfung. Erstens der Bestätigungsvermerk eines in Deutschland ermächtigten oder beeidigten Übersetzers mit Stempel und Unterschrift. Zweitens die ausdrückliche Nennung der verwendeten Transliterationsnorm. Drittens der Hinweis auf die Passschreibweise. Viertens eine originalgetreue Wiedergabe der Form, also Stempel, Siegel und Vermerke an derselben Stelle wie im Original, damit die Behörde vergleichen kann, ohne Kyrillisch lesen zu müssen.
Ein Wörterbuch reicht dafür nicht, und maschinelle Werkzeuge erst recht nicht. Warum die beglaubigte Übersetzung von Urkunden eine eigene Disziplin ist, wird deutlich, sobald man sieht, wie viele Entscheidungen in einer einzigen Zeile Namensfeld stecken.
Was Sie vor dem ersten Termin klären sollten
Fragen Sie bei der zuständigen Stelle nach, ob Original, beglaubigte Kopie oder Scan verlangt wird, und ob eine Apostille auf dem Ausgangsdokument nötig ist. Beides lässt sich in einer kurzen E-Mail klären und entscheidet über Wochen. Sammeln Sie außerdem alle Dokumente, bevor Sie übersetzen lassen, statt sie einzeln in Auftrag zu geben. Nur so kann derselbe Übersetzer eine durchgehend einheitliche Schreibweise sicherstellen.
Eine Übersetzung Russisch Deutsch oder Ukrainisch Deutsch ist am Ende weniger eine sprachliche als eine dokumentarische Leistung. Die Wörter sind selten das Schwierige. Schwierig ist, dass ein Name über vierzig Jahre, zwei Staaten und drei Umschriftsysteme hinweg erkennbar dieselbe Person bezeichnen muss.
Warum die Reihenfolge der Aufträge zählt
Viele Betroffene lassen übersetzen, sobald ein Dokument eintrifft. Das ist verständlich und führt trotzdem zu genau dem Durcheinander, das später Zeit kostet. Kommt das Diplom im März und die Geburtsurkunde im Juni, arbeiten womöglich zwei Büros daran, und keines weiß, welche Namensform das andere gewählt hat.
Wirtschaftlicher ist der umgekehrte Weg. Erst alle Unterlagen zusammentragen, dann eine einzige Ermächtigte oder einen einzigen Ermächtigten beauftragen, und beim Auftrag eine Kopie der Passseite mitschicken. Der Aufwand ist derselbe, das Ergebnis ist konsistent, und bei Rückfragen der Behörde gibt es eine Ansprechperson statt drei. Wer später weitere Papiere nachreichen muss, geht zum selben Büro zurück und verweist auf den alten Auftrag.
